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Hausmittel

Kaffeesatz als Dünger

Kaffeesatz ist das beliebteste Hausmittel im Garten und das am gründlichsten missverstandene. Er ist nicht sauer, er macht keine Hortensie blau, und die Menge aus einem Haushalt versorgt ein paar Pflanzen, keinen Garten. Was er kann, ist trotzdem nicht wenig.

Umgestürzter Kaffeefilter mit feuchtem Kaffeesatz und einigen Kaffeebohnen
Stickstoff
2 %in der Trockenmasse, organisch gebunden
pH-Wert
6,5 bis 6,8gebraucht nahezu neutral, nicht sauer
Haushalt
8 kg im Jahrtrocken, bei zwei Kaffeetrinkern, ergibt 160 g Stickstoff
Wirkung
Wochenmuss erst vom Bodenleben zersetzt werden

Was in Kaffeesatz steckt

Gebrauchter Kaffeesatz besteht zu gut zwei Prozent aus Stickstoff, dazu kommen rund 0,4 Prozent Phosphat, 0,6 Prozent Kaliumoxid, etwas Magnesium und Kupfer sowie Reste von Koffein und Gerbstoffen. Das sind Werte in der Trockenmasse. Feuchter Satz aus dem Filter wiegt etwa doppelt so viel, enthält aber nicht mehr Nährstoffe.

Der Stickstoff ist organisch gebunden, in Eiweißen und Zellwänden. Die Pflanze kann ihn nicht direkt aufnehmen, erst Bodenpilze und Bakterien setzen ihn über Wochen frei. Kaffeesatz wirkt deshalb wie ein sehr langsamer organischer Dünger, vergleichbar mit einer stark verdünnten Portion Hornspäne, die 14 Prozent Stickstoff haben.

Das Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis liegt bei etwa 20 zu 1. Das ist für den Kompost ideal und für den Boden unproblematisch, anders als bei Holz oder Stroh, die beim Verrotten Stickstoff binden.

Warum Kaffeesatz nicht sauer ist

Die verbreitetste Behauptung ist, Kaffeesatz säure den Boden an und eigne sich deshalb für Hortensien, Rhododendren und Heidelbeeren. Das stimmt für gemahlenen, ungebrühten Kaffee, der einen pH-Wert um 5 hat. Beim Aufbrühen gehen die Säuren aber ins Getränk, sie sind das, was den Kaffee sauer schmecken lässt. Der Satz, der im Filter bleibt, misst je nach Röstung 6,5 bis 6,8 und ist damit praktisch neutral.

Für Moorbeetpflanzen bedeutet das: Kaffeesatz schadet nicht, er säuert aber auch nichts an. Wer den pH-Wert für Rhododendron oder Heidelbeere senken will, braucht Nadelstreu, Torfersatz, Schwefel oder Regenwasser. Und eine blaue Hortensie wird über Kaffeesatz nicht blau, dafür braucht es Aluminium bei einem pH-Wert unter 5, siehe Hortensien düngen.

Die Menge, die ein Haushalt erzeugt

Eine Tasse Filterkaffee braucht sieben bis acht Gramm Pulver. Bei zwei Personen und drei Tassen am Tag fallen im Jahr rund acht Kilo trockener Kaffeesatz an, mit 160 Gramm Stickstoff. Zum Vergleich: Ein Quadratmeter Gemüsebeet mit Starkzehrern braucht 15 bis 20 Gramm, ein Quadratmeter Rasen 20 Gramm. Der Jahresvorrat eines Haushalts versorgt also acht bis zehn Quadratmeter.

Das ist die Rechnung, die auf den meisten Ratgeberseiten fehlt. Kaffeesatz ist eine Ergänzung für wenige Pflanzen oder ein wertvoller Zuschlag im Kompost, aber kein Ersatz für die Grundversorgung eines Beets.

Der bessere Weg führt über den Kompost

Direkt ausgebracht hat Kaffeesatz zwei Nachteile: Als Schicht auf der Erde verklebt er, dichtet die Oberfläche ab und schimmelt. Und seine Nährstoffe kommen erst nach Wochen an. Im Kompost verschwinden beide Probleme. Dort ist er mit seinem engen Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis ein Beschleuniger, Regenwürmer nehmen ihn gern an, und nach einem Jahr steckt er in einem Dünger, der nebenbei Humus liefert.

Ob der Filter mit hinein darf, was mit dem Satz aus Vollautomaten ist und wie viel Kaffeesatz ein Komposter verträgt, steht auf kompostergarten.de. Die Kurzfassung: Papierfilter ja, in dünnen Lagen, mit Braunmaterial gemischt.

So wird es angewendet

  1. Trocknen. Den feuchten Satz auf einem Blech oder Teller ausbreiten und ein bis zwei Tage trocknen lassen. Feuchter Satz schimmelt in geschlossenen Behältern und auf der Erde.
  2. Dünn einarbeiten, nicht schichten. Eine Handvoll je Pflanze in die obersten Zentimeter Erde einharken. Eine geschlossene Schicht auf der Oberfläche verklebt und hält Wasser ab.
  3. Zeit geben. Frühestens nach drei bis vier Wochen ist der Stickstoff für die Pflanze verfügbar. Kaffeesatz im September bringt der Pflanze nichts mehr, der Boden speichert ihn aber für das Frühjahr.
  4. Nicht auf Sämlinge und Jungpflanzen. Koffein und Gerbstoffe hemmen die Keimung und das Wachstum junger Wurzeln, das ist in Versuchen mehrfach belegt. Erst ab der zweiten Kulturwoche.
  5. Kompost bevorzugen. Was nicht direkt gebraucht wird, in dünnen Lagen in den Komposter.

Für welche Pflanzen

Bewertet nach dem, was das Mittel liefert und was die Pflanze verträgt. Was bei einer Pflanze als geeignet steht, ist eine Ergänzung, keine Grundversorgung.

  • Tomaten bedingt Bis zur Blüte als kleine Stickstoffgabe sinnvoll, danach liefert Kaffeesatz das Falsche. Für den Fruchtansatz zählt Kalium.
  • Rosen bedingt Eine Handvoll im Frühjahr als Ergänzung zur organischen Grundversorgung. Ersetzt den Rosendünger nicht.
  • Hortensien bedingt Unschädlich, aber wirkungslos für die Farbe. Die Ansäuerung, die versprochen wird, findet nicht statt.
  • Rhododendron und Heidelbeeren bedingt Als dünne Gabe unter den Mulch erlaubt. Der saure Boden muss aus anderen Quellen kommen.
  • Rasen nein Die Menge reicht für keine Fläche, und Kaffeesatz auf der Narbe verklebt.
  • Zimmerpflanzen nein Im Topf fehlt das Bodenleben, das ihn zersetzt. Die Folge ist Schimmel und Trauermücken, kein Dünger.
  • Sämlinge und Jungpflanzen nein Koffein hemmt Keimung und Wurzelwachstum. Erst bei etablierten Pflanzen.
  • Kompost geeignet Der beste Ort für Kaffeesatz. Beschleunigt die Rotte und wird von Regenwürmern angenommen.

Was behauptet wird, und was stimmt

Kaffeesatz macht den Boden sauer.
Nein. Gebrauchter Kaffeesatz liegt bei pH 6,5 bis 6,8. Die Säure ist im Getränk gelandet, nicht im Filter.
Kaffeesatz färbt Hortensien blau.
Nein. Blau braucht Aluminium bei einem pH-Wert unter 5. Kaffeesatz liefert weder das eine noch das andere.
Kaffeesatz hält Schnecken fern.
Kaum. In Versuchen wirkt Koffein auf Schnecken nur in Konzentrationen, die eine Kaffeesatzschicht nicht erreicht. Ein feuchter Kaffeesatzrand wird überkrochen.
Kaffeesatz vertreibt Ameisen und Katzen.
Kurzfristig stört der Geruch, nach wenigen Tagen ist er verflogen. Als Dauerlösung ungeeignet.
Kaffeesatz ist ein Volldünger.
Nein. Zwei Prozent Stickstoff, kaum Phosphor und Kalium. Als alleinige Versorgung hungert die Pflanze, nur langsamer.
Kaffeesatz aus dem Vollautomaten ist besser oder schlechter.
Gleichwertig. Der Puck ist nur stärker gepresst und trocknet schneller.

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Gehaltswerte nach veröffentlichten Analysen von gebrauchtem Kaffeesatz, pH-Angaben nach Messungen an Filterkaffee-Rückständen, Haushaltsmenge gerechnet mit 7,5 Gramm je Tasse. Richtwerte, keine Analysen einzelner Chargen. Auf dieser Seite gibt es keine Produktempfehlungen und keine Affiliate-Links, siehe Wie ausgewählt wird. Die Katalogtafel ist eine mit KI erzeugte Illustration, kein Foto.