Hornspäne
Hornspäne sind kein Hausmittel im engen Sinn, man kauft sie. Sie gehören trotzdem hierher, weil sie das sind, was Kaffeesatz und Jauche gern wären: ein organischer Stickstoffdünger mit belegter Zahl auf der Packung. Vierzehn Prozent, kalkfrei, langsam. Der Rest ist Geduld.

- Stickstoff
- 12 bis 14 %organisch, kein Phosphor, kein Kalium
- Aufwand
- 60 bis 100 g/m²einmal im Frühjahr, das sind 8 bis 14 g Stickstoff
- Wirkung
- Wochen bis MonateHornmehl schnell, Hornspäne langsam
- pH-Wirkung
- keinekalkfrei, auch für Moorbeetpflanzen
Was Hornspäne sind
Hornspäne sind zerkleinerte Hörner und Klauen von Rindern, ein Nebenprodukt der Schlachtung. Horn besteht aus Keratin, einem Eiweiß mit rund 14 Prozent Stickstoff, und sonst aus fast nichts: kein Phosphor, kein Kalium, kein Kalk. Hornspäne sind ein reiner Stickstoffdünger, und das ist ihre Stärke und ihre Grenze zugleich.
Der Stickstoff ist fest gebunden. Pflanzen können ihn nicht direkt aufnehmen, erst Bodenpilze und Bakterien bauen das Keratin ab und setzen ihn als Ammonium und Nitrat frei. Das braucht Wärme, Feuchtigkeit und ein lebendiges Bodenleben. Bei zehn Grad Bodentemperatur passiert wenig, bei zwanzig Grad geht es zügig.
Weil sie kalkfrei sind und den pH-Wert nicht verändern, eignen sich Hornspäne auch für Rhododendron, Hortensie und Heidelbeere, wo mineralische Volldünger mit Calcium stören würden.
Hornmehl, Horngrieß, Hornspäne: die Körnung bestimmt das Tempo
Es gibt Horn in drei Körnungen, und sie unterscheiden sich nur in der Geschwindigkeit. Hornmehl ist fein gemahlen, die große Oberfläche wird in zwei bis vier Wochen abgebaut. Es ist der schnellste organische Stickstoffdünger und passt für Nachdüngungen. Horngrieß liegt dazwischen, mit sechs bis acht Wochen. Hornspäne sind grob, der Abbau zieht sich über drei bis sechs Monate, dafür trägt eine Gabe im Frühjahr die ganze Saison.
Für die Grundversorgung im Frühjahr sind Hornspäne oder Horngrieß die Wahl, für einen sichtbaren Mangel im Juni das Hornmehl. Der Stickstoffgehalt ist bei allen dreien gleich.
Wo Hornspäne versagen
Im Kübel. In Blumenerde und mineralischen Substraten fehlt das Bodenleben, das Keratin abbaut. Hornspäne liegen dort monatelang unverändert, während die Pflanze hungert. Für Kübelpflanzen sind Flüssigdünger oder umhüllte Langzeitdünger die richtige Wahl.
Als Volldünger. Wer nur Hornspäne gibt, versorgt mit Stickstoff und sonst nichts. Auf Böden, die regelmäßig Kompost bekommen, reicht das, weil Kompost Phosphor und Kalium mitbringt. Auf ausgelaugten Sandböden fehlt am Ende das Kalium.
Im Herbst. Hornspäne im Oktober werden über den Winter langsam abgebaut, der Stickstoff wird ausgewaschen oder treibt Gehölze zur falschen Zeit an. Die Gabe gehört ins Frühjahr, bei Rindenmulch und Holzhäckseln als Ausgleich für die Stickstoffbindung auch beim Mulchen.
Mit Hund und Fuchs. Der Geruch lockt Tiere, die Späne werden ausgegraben. Einarbeiten statt aufstreuen hilft.
Wer Stickstoff aus der eigenen Küche liefern will, landet bei Kaffeesatz: zwei statt vierzehn Prozent, dieselbe Wirkungsweise. Und wer beides in den Kompost gibt, bekommt am Ende den Dünger, der alles enthält. Was dort sonst noch hineindarf, listet kompostergarten.de auf.
So wird es angewendet
- Zeitpunkt. März bis Mai, sobald der Boden sich erwärmt. Bei Neupflanzungen ins Pflanzloch, bei Gehölzen unter die Krone.
- Menge. 60 bis 100 Gramm je Quadratmeter für Starkzehrer und Rasen, 40 bis 60 Gramm für Mittelzehrer, bei Schwachzehrern gar nicht. Eine gehäufte Hand sind etwa 40 Gramm.
- Einarbeiten. Flach in die oberen fünf Zentimeter, nicht aufstreuen. Das schützt vor Tieren und bringt die Späne dorthin, wo das Bodenleben sitzt.
- Wässern. Feuchter Boden beschleunigt den Abbau. Trocken liegen Hornspäne wochenlang unverändert.
- Nachlegen bei Mangel. Werden die unteren Blätter im Juni blass, mit Hornmehl nachdüngen, das wirkt in zwei Wochen.
Für welche Pflanzen
Bewertet nach dem, was das Mittel liefert und was die Pflanze verträgt. Was bei einer Pflanze als geeignet steht, ist eine Ergänzung, keine Grundversorgung.
- Tomaten, Gurken, Kohl geeignet Für das Pflanzloch und die Jugendphase. Ab der Blüte reicht der Vorrat, dann zählt Kalium.
- Rosen geeignet Die klassische Stickstoffquelle im Frühjahr, mit Kompost kombiniert.
- Hortensien, Rhododendron, Heidelbeeren geeignet Kalkfrei und langsam, für Moorbeetpflanzen die schonende Grundversorgung. Bei Heidelbeeren halbe Menge.
- Erdbeeren geeignet Nach der Ernte im Juli mit Kompost einarbeiten.
- Rasen bedingt Möglich, aber im Streuwagen unpraktisch und langsam. Für kleine Flächen im Frühjahr.
- Olivenbaum, Zitrus, Kübelpflanzen nein Im Kübel fehlt das Bodenleben. Die Späne liegen unverändert.
- Bohnen, Erbsen, Kräuter nein Schwachzehrer, brauchen den Stickstoff nicht.
- Unter Rindenmulch geeignet Als Ausgleich für die Stickstoffbindung beim Verrotten, 50 Gramm je Quadratmeter.
Was behauptet wird, und was stimmt
- Hornspäne sind ein Volldünger.
- Nein. Nur Stickstoff. Phosphor und Kalium müssen aus Kompost oder anderen Düngern kommen.
- Hornspäne wirken sofort.
- Nein. Hornmehl in zwei bis vier Wochen, Hornspäne in drei bis sechs Monaten. Bei akutem Mangel ist ein Flüssigdünger die schnellere Hilfe.
- Hornspäne funktionieren im Kübel.
- Kaum. Ohne Bodenleben bleibt das Keratin liegen.
- Hornspäne können nicht überdosiert werden.
- Verbrennen können sie nicht, aber zu viel Stickstoff im Sommer bringt weiches Gewebe und schlecht ausreifende Triebe.
- Hornspäne sind wegen BSE bedenklich.
- Horn und Klauen zählen nicht zu den Risikomaterialien und werden erhitzt verarbeitet. Die Zulassung als Düngemittel ist unbeschränkt.