Tomatendünger
Tomaten gehören zu den Pflanzen mit dem höchsten Nährstoffbedarf im Hausgarten. Der Fehler, der die meiste Ernte kostet, ist trotzdem nicht zu wenig Dünger, sondern der falsche: zu viel Stickstoff bringt eine mannshohe Pflanze mit wenig Früchten.

- Bedarf im Jahr
- 18 g/m²Reinstickstoff im Beet, bei guter Kompostgabe weniger
- Wichtigster Nährstoff
- Kaliumab der Blüte, für Fruchtansatz und Aroma
- Erste Gabe
- beim Pflanzenins Pflanzloch, Mitte Mai
- Im Kübel
- alle 7 bis 14 Tageflüssig, das Substrat ist schnell leer
Was Tomaten wirklich brauchen
Eine Tomatenpflanze zieht über eine Saison eine erhebliche Menge Nährstoffe aus dem Boden. Im Freilandbeet rechnet man mit rund 18 Gramm Reinstickstoff je Quadratmeter, dazu Phosphor, viel Kalium und Magnesium. Wer im Herbst gut kompostiert hat, deckt einen Teil davon bereits ab.
Entscheidend ist aber nicht die Gesamtmenge, sondern ihre Verteilung über die Saison. Der Bedarf verschiebt sich, und zwar deutlich.
Bis zur Blüte baut die Pflanze Blattmasse auf. Dafür braucht sie Stickstoff. Ab der Blüte soll sie keine Blätter mehr machen, sondern Früchte, und dafür braucht sie Kalium. Ein Dünger, der von Mai bis September dasselbe liefert, passt in einer der beiden Phasen nicht.
Warum Kalium über den Fruchtansatz entscheidet
Kalium steuert den Wasser- und Zuckertransport in der Pflanze. Es sorgt dafür, dass die gebildeten Zucker aus dem Blatt in die Frucht wandern. Fehlt es, bleiben die Früchte klein, wässrig und wenig aromatisch, obwohl die Pflanze kräftig aussieht.
Zu viel Stickstoff nach der Blüte hat den umgekehrten Effekt: Die Pflanze investiert weiter in Blätter und Triebe. Sie wird hoch und dunkelgrün, setzt aber weniger an. Das ist der Grund, warum jede kaufbare Tomatendüngung kaliumbetont ist, während Rasendünger im Frühjahr stickstoffbetont ist. Beide Pflanzen wollen etwas anderes.
Praktisch: Bis zur ersten Blüte reicht die Grundversorgung aus dem Pflanzloch. Sobald die ersten Blüten offen sind, wird kaliumbetont nachgedüngt.
Der Gegensatz zum Rasen macht es anschaulich: Dort will man genau das, was hier stört, nämlich möglichst viel Blattmasse. Deshalb ist Rasendünger im Frühjahr stickstoffbetont und gehört unter keinen Umständen an die Tomate.
Welcher Dünger wofür
Die Wahl hängt weniger vom Produkt ab als davon, wo die Pflanze steht. Im Kübel ist flüssig die praktikablere Form, im Beet ein Langzeitgranulat.
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Flüssigdünger mit Kaliumbetonung, der dem Gießwasser zugegeben wird. Für Kübel und Töpfe ist das die praktikabelste Form, weil sich die Menge über die Saison feinsteuern lässt und nichts im Substrat liegen bleibt. Kalium ist bei Tomaten der Nährstoff, an dem der Fruchtansatz hängt.
- die Dosierung lässt sich Woche für Woche anpassen, das geht mit Granulat nicht
- wirkt sofort, während Granulat erst gelöst werden muss
- die Kaliumbetonung passt zum tatsächlichen Bedarf ab der Blüte
- ein Liter reicht für eine Saison mit einer üblichen Zahl an Pflanzen
- muss bei jedem zweiten bis dritten Gießen mit hinein, das vergisst man leicht
- im Freilandbeet umständlich, dort ist eine Granulatgabe weniger Arbeit
- bei Regen im Freiland wäscht der gelöste Dünger schneller aus
Neudorff Azet TomatenDünger, 2,5 kg
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Organisches Granulat mit Mykorrhiza-Pilzen. Die Pilze gehen eine Symbiose mit der Wurzel ein und vergrößern die Fläche, über die die Pflanze Wasser und Nährstoffe aufnimmt. Der Dünger kommt beim Pflanzen ins Pflanzloch und wird später oberflächlich nachgegeben.
- organisch und damit kaum überdosierbar, verbrannte Wurzeln sind praktisch ausgeschlossen
- Mykorrhiza hilft besonders auf leichten Sandböden, die schnell austrocknen
- eine Gabe beim Pflanzen plus eine Nachgabe reicht meist für die Saison
- im Freilandbeet deutlich weniger Arbeit als flüssiges Nachdüngen
- die Mykorrhiza braucht Bodenkontakt, im reinen Torfsubstrat im Kübel bringt sie wenig
- wirkt langsam und ist gegen akuten Mangel während der Fruchtbildung zu träge
- riecht in den ersten Tagen nach dem Einarbeiten
COMPO BIO Tomaten Langzeitdünger Schafwolle, 750 g
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Gepresste Schafwolle als Langzeitdünger mit fünf Monaten angegebener Wirkdauer. Die Wolle zersetzt sich langsam und gibt dabei Stickstoff frei. Nebeneffekt: Sie speichert ein Vielfaches ihres Gewichts an Wasser und puffert damit Gießfehler im Kübel ab.
- fünf Monate Wirkdauer decken die Saison mit einer einzigen Gabe ab
- die Wolle hält Wasser im Substrat, im Kübel merkt man das an trockenen Tagen
- die kleine Packung passt zu einer Handvoll Pflanzen, ohne dass Reste übrig bleiben
- praktisch nicht überdosierbar
- kaliumarm, für den Fruchtansatz braucht es meist eine zweite, kaliumbetonte Gabe
- die Freisetzung hängt an Bodenfeuchte und Temperatur und ist nicht steuerbar
- muss beim Pflanzen mit ins Loch, nachträglich einarbeiten geht kaum
Kübel und Beet sind zwei verschiedene Aufgaben
Der Unterschied wird unterschätzt und ist der Grund für die meisten enttäuschten Kübelernten.
Im Beet steht der Pflanze ein großes Bodenvolumen zur Verfügung. Die Wurzel holt sich, was sie braucht, aus einem Vorrat, der über Monate reicht. Eine Gabe beim Pflanzen und eine Nachgabe zur Blüte genügen meist.
Im Kübel gibt es keinen Vorrat. Ein 20-Liter-Topf enthält nach sechs bis acht Wochen praktisch nichts mehr, was die Pflanze noch nutzen könnte, und jedes Gießen spült weiter aus. Deshalb wird im Kübel regelmäßig flüssig nachgedüngt, alle sieben bis vierzehn Tage.
Wer im Kübel dieselbe Strategie fährt wie im Beet, wundert sich ab Juli über blasse Blätter und stagnierende Früchte. Das ist kein Krankheitsbild, das ist ein leerer Topf.
Der Topf darf nicht zu klein sein. Unter 15 Litern je Pflanze wird es eng, empfehlenswert sind 20 und mehr. Kein Dünger gleicht zu wenig Wurzelraum aus, und in einem kleinen Topf schwankt zusätzlich die Wasserversorgung, was direkt zur Blütenendfäule führt.
Blütenendfäule ist kein Düngermangel im üblichen Sinn
Der dunkle, eingesunkene Fleck am Blütenende der Frucht ist das bekannteste Tomatenproblem. Er wird fast immer als Calciummangel bezeichnet, und das stimmt nur halb.
In den allermeisten Gartenböden ist genug Calcium vorhanden. Das Problem ist der Transport: Calcium bewegt sich in der Pflanze ausschließlich mit dem Wasserstrom. Schwankt die Wasserversorgung, also abwechselnd zu trocken und zu nass, kommt es in der wachsenden Frucht nicht an, obwohl der Boden voll davon ist.
Daraus folgt die eigentliche Abhilfe: gleichmäßig gießen, lieber seltener und durchdringend als täglich ein Schluck. Mulchen hält die Feuchte im Boden stabil. Ein Calciumpräparat auf einen Boden zu geben, der bereits genug enthält, ändert nichts.
Zwei Dinge verschärfen das Problem zusätzlich: zu viel Stickstoff, weil die Pflanze dann schneller wächst, als sie versorgen kann, und ein zu kleiner Topf, in dem die Feuchte nicht stabil zu halten ist.
Was Hausmittel leisten
Zu Tomaten kursieren mehr Hausmittel als zu jeder anderen Gartenpflanze. Der ehrliche Stand ist gemischt.
Kaffeesatz liefert rund zwei Prozent Stickstoff, aber kaum Kalium. Für die Phase vor der Blüte ist er eine sinnvolle Ergänzung, für die Fruchtbildung liefert er das Falsche. Die Menge, die in einem Haushalt anfällt, reicht ohnehin nur für wenige Pflanzen. Ausführlich unter Kaffeesatz als Dünger.
Brennnesseljauche ist stickstoffreich und damit ebenfalls eher etwas für die Jugendphase. Für den Fruchtansatz ist Beinwelljauche die passendere Wahl, weil sie deutlich kaliumreicher ist.
Eierschalen gegen Blütenendfäule sind der verbreitetste Irrtum. Sie bestehen zwar aus Calciumcarbonat, lösen sich im Boden aber über Jahre und nicht über Wochen. Gegen ein Problem, das in dieser Saison auftritt, kommen sie zu spät, und die Ursache liegt ohnehin bei der Wasserversorgung.
Die drei häufigsten Fehler
Stickstoffbetont bis zum Schluss durchdüngen. Ergebnis ist eine große Pflanze mit wenigen Früchten. Ab der Blüte gehört Kalium in den Vordergrund.
Im Kübel wie im Beet düngen. Nach sechs bis acht Wochen ist das Substrat leer. Ohne regelmäßiges Nachdüngen bricht die Pflanze ab Juli ein.
Ungleichmäßig gießen. Kostet über die Blütenendfäule mehr Früchte als jeder Düngerfehler und lässt sich mit keinem Produkt reparieren.