Eierschalen als Dünger
Eierschalen sind Kalk, sonst fast nichts. Das macht sie zu einem Bodenverbesserer für saure Beete und zu einem Fehler im Moorbeet. Als Dünger im eigentlichen Sinn taugen sie kaum, und die beiden bekanntesten Versprechen, Schneckenschutz und Schutz vor faulen Tomaten, halten nicht.

- Calcium
- 38 %als Calciumcarbonat, das ist Kalk
- pH-Wirkung
- hebt anwie Gartenkalk, nur langsamer
- Löslichkeit
- sehr geringganze Schalen brauchen Jahre, Pulver Monate
- Haushalt
- 2 kg im Jahrbei sechs Eiern die Woche, rund 750 g Calcium
Was in Eierschalen steckt
Eine Eierschale besteht zu 94 bis 97 Prozent aus Calciumcarbonat, chemisch derselbe Stoff wie Kreide, Kalkstein und der kohlensaure Kalk aus dem Gartenmarkt. Dazu kommen Spuren von Magnesium, Phosphor und die dünne Eihaut aus Eiweiß, der einzige nennenswerte Stickstoffträger. Eine Schale wiegt fünf bis sechs Gramm und enthält gut zwei Gramm Calcium.
Calcium ist ein Pflanzennährstoff, aber in fast allen Gartenböden reichlich vorhanden. Der Wert von Eierschalen liegt deshalb nicht in der Ernährung, sondern in der Wirkung auf den pH-Wert: Sie wirken wie eine kleine, sehr langsame Kalkgabe.
Warum davon so wenig ankommt
Calciumcarbonat ist in Wasser praktisch unlöslich. Es löst sich nur durch Säure, also in saurem Boden und über die Kohlensäure, die Wurzeln und Bodenleben abgeben. Eine halbe Eierschale im Beet ist nach Jahren noch als solche zu erkennen. Wer die Wirkung sehen will, muss die Schalen zu Pulver mahlen, und selbst dann rechnet man in Monaten.
Das erklärt, warum Eierschalen gegen die Blütenendfäule an Tomaten nichts ausrichten: Erstens ist im Boden meist genug Calcium, zweitens kommt das aus der Schale viel zu spät, und drittens liegt die Ursache im Wassertransport, nicht im Bodenvorrat. Mehr dazu unter Tomaten düngen und im Diagnose-Befund zu Calcium.
Wo Eierschalen nützen und wo sie schaden
Nützlich sind sie auf sauren Böden, die ohnehin Kalk vertragen: im Gemüsebeet auf Sand, unter Rosen und Kohl, auf Rasen mit Moosproblem und niedrigem pH-Wert. Dort tun gemahlene Eierschalen über Monate das, was eine Kalkgabe im Frühjahr in Wochen tut, nur sanfter.
Schädlich sind sie überall, wo Pflanzen sauren Boden brauchen. Hortensien, Rhododendron, Azaleen, Heidelbeeren, Kamelien und Zitrus reagieren auf jede Kalkgabe mit Chlorose, weil Eisen bei steigendem pH-Wert festgelegt wird. Der Tipp, Eierschalen an Hortensien zu geben, damit sie blühen, ist der schnellste Weg zu gelben Blättern.
Im Kompost sind Eierschalen willkommen, sie puffern die Säure, die beim Verrotten entsteht. Fein zerdrückt verschwinden sie schneller, ganze Hälften tauchen noch nach Jahren im fertigen Kompost auf. Was kompostergarten.de dazu rät, deckt sich damit: zerkleinern, in dünnen Lagen, nicht als Hauptzutat.
So wird es angewendet
- Spülen und trocknen. Eiweißreste locken Fliegen und riechen. Kurz ausspülen, ein bis zwei Tage trocknen.
- Mahlen. Im Mörser, in der Kaffeemühle oder mit dem Nudelholz zu Pulver. Grobe Splitter wirken erst nach Jahren.
- Boden prüfen. Ein Teststreifen sagt, ob Kalk überhaupt gewünscht ist. Über pH 6,5 bringt er nichts, im Moorbeet schadet er.
- Einarbeiten. Ein bis zwei Esslöffel Pulver je Quadratmeter im Frühjahr in die obere Erdschicht einharken. Mehr ist nicht sinnvoll, weil ohnehin nur langsam gelöst wird.
- Rest auf den Kompost. Zerdrückt und in dünnen Lagen.
Für welche Pflanzen
Bewertet nach dem, was das Mittel liefert und was die Pflanze verträgt. Was bei einer Pflanze als geeignet steht, ist eine Ergänzung, keine Grundversorgung.
- Tomaten nein Der Klassiker unter den Fehltipps. Gegen Blütenendfäule wirkungslos, weil Calcium nicht im Boden fehlt, sondern beim Transport.
- Rosen bedingt Auf saurem Boden sinnvoll, um den pH-Wert Richtung 6,5 zu heben. Auf Kalkboden überflüssig.
- Hortensien nein Kalk hebt den pH-Wert und macht die Blätter gelb.
- Rhododendron und Heidelbeeren nein Dieselbe Falle, nur schneller.
- Zitrus und Olivenbaum bedingt Beim Olivenbaum willkommen, er ist kalkverträglich. Beim Zitronenbaum ausdrücklich nicht.
- Rasen bedingt Nur bei nachweislich saurem Boden mit Moosproblem. Sonst kontraproduktiv.
- Kohl und Gemüse auf Sandboden geeignet Sanfte Kalkgabe, die dem Kohl gegen Kohlhernie hilft und den pH-Wert stabilisiert.
- Kompost geeignet Puffert Säure, zerkleinert in dünnen Lagen.
Was behauptet wird, und was stimmt
- Eierschalen halten Schnecken fern.
- Nein. In Versuchen kriechen Nacktschnecken über Eierschalensplitter, als wären sie nicht da. Der Schleim schützt den Fuß.
- Eierschalen verhindern Blütenendfäule an Tomaten.
- Nein. Der Boden hat genug Calcium, das Problem ist der Transport in die Frucht bei schwankendem Gießen. Gleichmäßig wässern hilft, Kalk nicht.
- Eierschalen sind ein Calciumdünger.
- Nur theoretisch. Praktisch lösen sie sich so langsam, dass die Pflanze in dieser Saison nichts davon hat.
- Eierschalen im Gießwasser ziehen einen Calciumtee.
- Es löst sich fast nichts. Das Wasser bleibt Wasser, mit etwas Eiweißgeruch.
- Braune und weiße Schalen unterscheiden sich.
- Nein, die Farbe ist ein Pigment in der äußersten Schicht, der Kalkgehalt ist gleich.