Bittersalz als Dünger
Bittersalz ist das einzige Hausmittel hier, das in der Apotheke steht, und das einzige, das einen Mangel innerhalb von zwei Wochen sichtbar behebt. Genau deshalb wird es falsch eingesetzt: als Vorbeugung, als Vitalisierer, als regelmäßige Gabe. Es ist ein Mittel gegen Magnesiummangel, sonst nichts.

- Magnesium
- 16 % MgOentspricht rund 10 % reinem Magnesium, dazu 13 % Schwefel
- Blattdüngung
- 20 g je Literzwei Prozent, abends sprühen, nach zwei Wochen wiederholen
- Bodengabe
- 30 bis 50 g/m²nur bei nachgewiesenem Mangel, eingearbeitet und gewässert
- Wirkung
- Tagewasserlöslich, sofort verfügbar
Was Bittersalz ist
Bittersalz ist Magnesiumsulfat mit sieben Molekülen Kristallwasser, chemisch identisch, ob es aus der Apotheke, der Drogerie oder dem Gartenmarkt kommt. Es enthält rund 16 Prozent Magnesiumoxid, das entspricht knapp zehn Prozent reinem Magnesium, und 13 Prozent Schwefel. Beides sind Pflanzennährstoffe, und beides ist im Salz vollständig wasserlöslich.
Magnesium sitzt im Zentrum jedes Chlorophyllmoleküls. Fehlt es, zerfällt das Blattgrün zwischen den Adern, zuerst an den älteren Blättern, weil die Pflanze Magnesium in den Neuaustrieb verlagert. Das typische Bild sind gelbe Blätter mit grün bleibenden Adern, oft vom Rand her, bei Koniferen braune Nadelspitzen. Der Diagnose-Dialog führt bei diesem Bild zum Befund Magnesiummangel.
Schwefel wird als Nährstoff meist übersehen. Seit die Luft sauberer ist, kommt weniger davon mit dem Regen, und auf leichten Böden fehlt er gelegentlich. Bittersalz liefert ihn nebenbei mit.
Wann es hilft und wann nicht
Bittersalz hilft bei echtem Magnesiummangel: auf sandigen, ausgewaschenen Böden, in Kübeln nach Jahren ohne Umtopfen, bei Tomaten und Gurken im Gewächshaus, bei Koniferen und Rasen auf leichtem Boden. Als Blattdüngung gesprüht ist die Wirkung nach ein bis zwei Wochen am Neuaustrieb sichtbar, die alten Blätter werden nicht wieder grün.
Es hilft nicht, wenn das Magnesium nicht fehlt, sondern gesperrt ist. Auf sauren Böden unter pH 5,5 ist Magnesium schlecht verfügbar, dort ist Dolomitkalk die richtige Wahl, weil er den pH-Wert hebt und Magnesium mitbringt. Und es hilft nicht, wenn zu viel Kalium im Boden ist, das Magnesium an der Wurzel verdrängt, etwa nach kräftiger Tomatendüngung oder Holzasche. Dann muss das Kalium für den Rest der Saison weggelassen werden, Bittersalz allein ändert wenig.
Als vorbeugende oder regelmäßige Gabe ist Bittersalz falsch. Magnesium im Überschuss verdrängt seinerseits Calcium und Kalium, das Salz wird ausgewaschen, und der Schwefel säuert den Boden langsam an. Wer ohne Symptom düngt, bewirkt nichts Gutes.
Was noch wie Magnesiummangel aussieht
Gelbe Blätter mit grünen Adern gibt es zweimal: an den alten Blättern ist es Magnesium, an den jungen Blättern Eisen. Bei Eisenmangel hilft Bittersalz nicht, dort braucht es ein Eisenchelat oder eine Senkung des pH-Werts. Vor dem Kauf lohnt deshalb ein Blick auf die Pflanze: unten oder oben?
Braune Nadelspitzen an Koniferen sind oft Magnesiummangel, genauso oft aber Trockenheit, Streusalz oder ein Pilz. Bei Thuja an der Straße ist Bittersalz selten die Lösung.
So wird es angewendet
- Mangel bestätigen. Ältere Blätter gelb, Adern grün. Bei jungen Blättern ist es Eisen, dann hilft Bittersalz nicht.
- Blattdüngung für die schnelle Wirkung. 20 Gramm Bittersalz in einem Liter Wasser lösen, abends oder bei bedecktem Himmel tropfnass auf die Blätter sprühen, Unterseiten mit. Nach zwei Wochen wiederholen. Nicht in der Sonne, das verbrennt.
- Bodengabe für die Dauer. 30 bis 50 Gramm je Quadratmeter um die Pflanze streuen, flach einarbeiten, gründlich wässern. Einmal, nicht monatlich.
- Im Kübel. Fünf Gramm je Liter Gießwasser, einmal, dann beobachten. Bei wiederholtem Mangel umtopfen, das Substrat ist ausgelaugt.
- Ursache prüfen. Sandboden, saurer Boden, zu viel Kalium. Ohne Ursache kehrt der Mangel zurück.
Für welche Pflanzen
Bewertet nach dem, was das Mittel liefert und was die Pflanze verträgt. Was bei einer Pflanze als geeignet steht, ist eine Ergänzung, keine Grundversorgung.
- Tomaten und Gurken geeignet Die häufigsten Fälle von Magnesiummangel im Hausgarten, besonders im Gewächshaus. Als Blattdüngung.
- Rosen geeignet Bei gelben Blättern mit grünen Adern an den unteren Trieben. Rosendünger enthält meist Magnesium, dann ist Bittersalz selten nötig.
- Rasen auf Sandboden geeignet Bei fahlem Rasen trotz Stickstoffdüngung. 30 g/m² im Frühjahr.
- Koniferen und Thuja bedingt Bei braunen Nadelspitzen nach Ausschluss von Trockenheit und Streusalz.
- Hortensien und Rhododendron bedingt Nur bei sichtbarem Mangel. Auf stark saurem Boden ist Dolomitkalk die bessere Magnesiumquelle.
- Zitrus im Kübel geeignet Nach Jahren ohne Umtopfen häufig. Einmal fünf Gramm je Liter.
- Heidelbeeren bedingt Sehr salzempfindlich. Wenn, dann als Blattdüngung in halber Konzentration.
- Alles ohne Symptom nein Vorbeugend schadet Bittersalz mehr, als es nützt.
Was behauptet wird, und was stimmt
- Bittersalz ist ein Pflanzenvitalisierer.
- Nein. Es liefert Magnesium und Schwefel. Wo beides da ist, passiert nichts, außer dass der Boden Salz bekommt.
- Bittersalz macht Rasen sattgrün.
- Nur wenn Magnesium gefehlt hat. Meistens fehlt Stickstoff, dann hilft Rasendünger, nicht Bittersalz.
- Bittersalz hilft gegen gelbe Blätter.
- Gegen die an den alten Blättern mit grünen Adern. Gelbe junge Blätter sind Eisen, gleichmäßig gelbe alte Blätter sind Stickstoff.
- Bittersalz aus der Apotheke ist anders als aus dem Gartenmarkt.
- Gleiches Salz. Der Gartenmarkt ist meist günstiger je Kilo.
- Bittersalz kann man monatlich geben.
- Ohne Mangel verdrängt überschüssiges Magnesium Calcium und Kalium. Einmal bei Symptom, dann Ursache beheben.